4 Literaturabende in Bad Homburg und Oberursel

Frühjahr 2017

Nichts prägt uns Menschen stärker als die eigene Familie. Dem Einfluss der Eltern und der Geschwister kann man sich nicht entziehen. Er begleitet uns ein Leben lang. Im Positiven, wie im Negativen. Vererbte Gene und familiäre Konstellationen ergeben zusammen ein Gemisch das wohlausgewogen oder aber explosiv sein kann. Das  interessiert und beschäftigt vor allem auch die Dichter. Und sie erzählen uns davon. In den Mythen der Antike sind die Familienverhältnisse nicht weniger tragisch als in der Bibel. Ödipus tötet den Vater und heiratet die eigene Mutter. Kain erschlägt seinen Bruder Abel. Und in der Moderne, in unserer eigenen Gegenwart?

Vier literarische Texte und ihre Familienbilder werden uns in den kommenden Monaten beschäftigen: Den Anfang macht Shida Bazyar mit ihrem im vergangenen Jahr erschienen Roman „Nachts ist es leise in Teheran“. Aus den verschiedenen Perspektiven der Eltern und der drei Kinder erzählt sie, wie sich Migrations- erfahrungen auf die jeweiligen Familienmitglieder auswirken und das Rollengefüge verändern. Peter WeissAbschied von den Eltern“(1961) beschreibt die Geschichte der kindlichen Abnabelung als ein Protokoll der Befreiung. Franz Kafkas Erzählung „Das Urteil“(1913) und ein überlieferter „Brief an den Vater“(1919) werfen die Frage nach dem Verhältnis von autobiographischem und fiktionalisierendem Schreiben auf. Und vom Roman „Geschwister Tanner“ (1907) wissen wir, dass Robert Walser ihn sich in nur sechs Wochen von der Seele geschrieben hat. GuDit

Wir diskutieren die Bücher im kleinen Kreis in der StadtBibliothek Bad Homburg und in Oberursel.

Shida Bazyar. Nachts ist es leise in Teheran. 2016 

Peter Weiss. Abschied von den Eltern. 1961

Franz Kafka. Das Urteil. 1913 & Brief an den Vater. 1919

Robert Walser. Die Geschwister Tanner. 1907